Logic Pro im Test E-Mail
Berichte - Testberichte
Geschrieben von: Marcel Frei   
Freitag, 20. November 2009 21:33
Gastbeitrag von PJ Wassermann, http://www.schaltkreiswassermann.com/

Von vielen Musiker und Produzenten sehnlich erwartet, kommt Logic Pro 9 im neuen Logic Studio mit über 200 neuen Features, Workflow- und Detailverbesserungen. Herausragend sind das neue Flex-Time-Tool, das den zeitlichen Ablauf von Audio-Dateien fest beliebig bearbeitbar macht, und die, vor allem für Gitarristen reizvoll, der Amp Designer und das Pedalboard. Die beiliegende Live-Software Mainstage wurde in der Version 2 stark aufgewertet, u.a. mit einer Looper-Funktion, mit der der Musiker sich selbst begleiten kann.

Golden glänzt die eingeschweisste Kartonbox von Logic Studio, glitzernd mit Laser-Effekten, denn wie immer bei Apple kommt die Software äusserst hochwertig verpackt daher. Als ökologisch denkender Mensch kriegt man bei aller Vorfreude zwar ein schlechtes Gewissen, doch immerhin ist die neunte Version von Logic Pro weniger opulent als frühere Versionen, wo kiloschwere Handbücher dabei waren, die ohnehin kaum jemand las, auch wenn sie hervorrragende Einführungen in die Musikproduktion anboten.

Die Installation geht, wie gewohnt bei Apple, problemlos vonstatten, allerdings sollten für die neun DVDs zwei bis drei Stunden Zeitaufwand eingerechnet werden. Aufgepasst: Logic Studio schaufelt die Festplatte gnadenlos voll, 50-70 GB werden ruckzuck aufgefüllt, wenn auch mit sehr wertvollem Inhalt wie den Logic-JamPacks, mit Soundbeds und Special Effects. Zudem werden neben Logic Pro 9 die zusätzlichen Programme Soundtracks (Version 3) zur Filmvertonung und Mainstage (Version 2) zum Live-Spielen der in Logic integrierten elektronischen Instrumente installiert. Natürlich lassen sich alle diese zusätzlichen Elemente vor der Installation deaktivieren, wenn der Platz knapp ist. Die Sample-Libraries lassen sich auch auf externe Festplatten positionieren. Offiziell wird ein Intel-Mac vorausgesetzt, jedoch läuft LP9 auch auf G5-Maschinen, wenn auch etwas dickflüssig.

Nach dem ersten Aufstarten von Logic Pro 9 kommt leise Enttäuschung auf, denn auf den ersten Blick sieht alles ziemlich gleich aus wie bei Logic Pro 8, von kleinen graphischen Aenderungen mal abgesehen. Doch wichtig ist ja, was unter der Haube verbessert worden oder neu hinzugekommen ist, und da hat sich zum Glück einiges getan. Neben den vielen kleinen Detail-Verbesserungen sind es vor allem Flex Time für die Audio-Bearbeitung und der neue Amp Designer und das Pedalboard für Gitarren-Sounds, die den Preis fürs Update rechtfertigen.


Flex Time

Wohl jeder elektronische Musiker hat sich schon ein Werkzeug gewünscht, mit dem sich Audio-Samples beliebig in Tonhöhe und Länge verbiegen lassen. Seit einigen Jahren gibt es die nicht gerade billige Software Melodyne, mit der sich genau das bewerkstelligen lässt, aber nun ist Flex Time bei Logic mit an Bord, und bietet die beliebige Manipulierbarkeit zumindest der Zeit-Dimension, und das in sehr hoher Klangqualität.



Als erstes wählt man bei der zu bearbeitenden Spur, den Flex Mode aus. Je nach Natur des Audio-Materials stehen ganz verschiedene, auf die jeweilige Anwendung optimierte Algorithmen zur Verfügung. "Zerschneiden" ist ideal für die Bearbeitung von Drum Loops, dabei wird der Rhythmus in Scheiben (Slices) geschnitten, um danach die einzelnen Elemente anders anordnen zu können. "Rhythmisch" ist optimiert für Rhythmus-Gitarren, Keyboard-Parts und Apple-Loops. "Monophon" eignet sich hervorragend für die Gesangsaufnahmen, wobei die Aufnahme möglichst trocken vorliegen sollte, also ohne Hall oder Echo. Mit "Polyphon" können komplexe Akkorde und auch fertige Mixes bearbeitet werden. "Tempophone" ist einem historischen Bandgerät nachempfunden und vor allem für Experimentierfreudige gedacht. "Speed" zuguterletzt eignet sich vor allem für perkussives Material, das rasch dem Rhythmusraster angepasst werden soll.

Die Bearbeitung der Zeitdimension wird direkt im Arrangierfenster vorgenommen, nicht im Sample-Editor. Durch die Einstellung des Flex Modes  in der Spur-Information wird die Analyse des Audio-Materials ausgelöst. Dann muss nur noch das Flex-Tool aus dem Werkzeugkasten genommen werden, und los geht der Spass - einfach an den Flex Markern ziehen, das Ergebnis anhören, weiter ziehen, bis man mit dem Resultat zufrieden ist. Schön daran ist, dass das zugrundeliegende Sample nicht zerstört wird, dass es also eine sogenannte nicht-destruktive Aenderung ist. Weniger schön ist, dass vor allem der polyphone Modus den Rechner reichlich beansprucht. Aber man kann ja eine fertig bearbeitete Spur jederzeit „bouncen“, das heisst, eine neue Audiodatei erzeugen, bei der alle Aenderungen fest eingebaut sind und die dann keine CPU-Power mehr beansprucht. Und ja, die Qualität ist wirklich hervorrragend und macht Flex Time zu einem mächtigen Werkzeug, das man nicht mehr hergeben will. Jetzt fehlt nur noch ein ähnliches Werkzeug, um die Tonhöhen beliebig zu manipulieren, aber das kommt wohl erst in Logic Pro 10. Besser wäre es, diese Funktion in einem 9.1-Update nachzuliefern, denn die Konkurrenz hat hier die Nase vorn...


Amp Designer

In den letzten Jahren sind immer mehr digitale Simulationen von Gitarren-Verstärkern und Lautsprecherboxen sowie Effektgeräten veröfentlicht worden. Die bekantesten sind „Guitar Rig“ von Native Instruments und „GTR3“ von der israelischen Edel-Software-Bude Waves. Der Logic Pro-User braucht jetzt diese Zusatzprodukte nicht mehr, denn Apple hat Logic Pro den Amp-Designer spendiert, der das alles genausogut kann. Enthalten sind 25 verschiedene Verstärkertypen, optisch den berühmten Vorbildern wie Marshall, Fender, Vox, Orange etc. gut nachempfunden, und 25 dazu passende Lautsprecherboxen, offene und geschlossene, mit einem bis zu vier Lautsprechern verschiedener Grösse bestückt, die natürlich nach Gusto mit den Verstärkern kombiniert werden können. Im Tonstudio werden die Gitarrensounds mit Mikrophonen vor den Boxen abgenommen, und auch das kann Amp Designer simulieren, natürlich mit allerlei Mikrophon-Typen und -Positionierungen.


Pedalboard

Damit nicht genug, ein Gitarrist braucht seine Effektgeräte, und auch davon sind im Plugin Pedalboard 30 Stück vorhanden, die in gewünschter Reihenfolge per Drag and Drop platziert werden können. Allesamt schön gestaltet und auch hier den historischen Vorbildern nachempfunden. Die klangliche Qualität ist gut, auch wenn hartgesottene Gitarristen natürlich niemals auf ihre analogen Bodentreter und ihre Röhren-Amps verzichten werden wollen. Jedenfalls eine willkommene Addition von Effekten, die auch problemlos für Synthesizer und andere Instrumente zweckentfremdet werden können.




Mainstage

Die Performance-Software Mainstage liegt jetzt in Version 2 vor. Sie erlaubt es dem Live-Musiker, in Logic Pro vorbereitete Channel-Strips live einzusetzen. Channel-Strips sind Software-Instrumente plus alle eingeschlauften Effekte wie Kompressoren, Equalizer, Delays und Hall. Dadurch lassen sich sehr ausgefuchste Klänge erstellen, die dann problemlos live zu spielen sind (MIDI-Keyboard vorausgesetzt). Das Wechseln zwischen den Instrumenten geht sehr per Taster einfach vonstatten. Neu kann auch ein Mikrophon angeschlossen werden (Audio-Interface vorausgesetzt), die Optimierung des Mic-Signals erfolgt ebenfalls durch Erarbeiten und Speichern eines Channel-Strips in Logic Pro. Da Logic sehr professionelle Effektgeräte an Bord hat, lassen sich wirklich ausgezeichnete Ergebnisse erzielen. Mainstage ist alles in allem ein extrem vielseitiges Live-Instrument, das zudem auch neu einen Looper beinhaltet, sodass der Musiker live ein Playback einspielen kann, über das er dann improvisiert. Macht Spass!




Fazit

Logic Pro 9 weist laut Apple etwa 200 Neuheiten auf, weitere Informationen gibt es auf der Apple Homepage. Für den professionellen Anwender ist das Update zu 259 Franken ein Muss (Updates von Logic Express oder alten Logic-Versionen zu 399 Franken). Die Vollversion kostet 649 Franken, was angesichts des gebotenen Inhalts als sehr preisgünstig bezeichnet werden muss.

Praktische Tipps für den Einsatz von Logic Pro
1. Die interne Festplatte sollte dem System und den Programmen vorbehalten sein, dann läuft es am besten.

2. Für die externe Platte, von der Audio abgespielt und auf die aufgenommen wird, sollte möglichst ein Firewire-Anschluss verwendet werden, nicht USB!

3. In den Logic-Audio-Einstellungen sollte eine nicht zu kleine Puffergrösse gewählt werden. 128 Samples können zu Problemen führen, mit 512 Samples geht’s gut. Dann ist zwar die Latenz (Verzögerung) etwas höher, aber immer noch im akzeptablen Bereich.

Gastbeitrag von PJ Wassermann, http://www.schaltkreiswassermann.com/


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