Hat Apple den Strategiekurs unter Kontrolle? E-Mail
Berichte - Hintergrundberichte
Geschrieben von: Emanuel Frei   
Sonntag, 22. März 2009 20:02
Einst galt der Macintosh als der Computer für professionelle Anwender wie Grafiker, Fotografen, Musiker oder Filmemacher. Auch in vielen Schweizer Schulen war der Mac gerne und oft gesehen. So genannte Consumer, welche zu Hause privat einen Computer mit Apfellogo im Einsatz hatten, waren nicht das Hauptzielpublikum von Apple. Doch wie sieht es heute aus und welche Strategie verfolgt Apple?


Als Steve Jobs Ende der 90er-Jahre zu Apple zurückkehrte, versuchte er, ein überschaubares und klares Produkt-Portfolio zu erstellen. iMac und iBook für Consumer, PowerMac und PowerBook für Pro-User. Die Welt war in Ordnung. Wenige Jahre darauf, begann die Revolution des Musikmarktes mit der Einführung des iPod. Tragbare Kassetten- und CD-Spieler wurden zu Grabe getragen und die digitale Musik hielt Einzug. Die Consumer waren begeistert.

Weiter rollte der Apple-Zug, welcher immer mehr und mehr Aufschwung erhielt. Apple zielte plötzlich umso mehr auf die Switcher. Der Mac mini war geboren und ergänzte den PowerMac und iMac erstmals mit einem "Low-Budget"-Gerät, welches sich besonders für Umsteiger lohnen sollte. Die Consumer und Büroangestellten waren begeistert.



Doch wo steht Apple heute im Jahre 2009?

Apple TV versucht vergeblich erfolgreich zu werden und schafft dies aufgrund des Angebotes im iTunes Store erst halbherzig. Das iPhone verzeichnet hervorragende Zahlen, kämpft allerdings mit einem mittlerweile unüberschaubaren Softwareangebot im App Store, wo man vor lauter Lite-Versions die kostenlosen Vollversionen nicht mehr findet. Ist das Team für den iTunes Store womöglich etwas überrumpelt worden?

Ebenfalls überrumpelt wurde Apple beim Thema MobileMe. Nicht nur dass der Service bei einigen Nutzern für lange Zeit schwerwiegende Probleme bereitete, auch die Zusammenarbeit mit dem iPhone klappte nicht tadellos. Einige Versprechen konnten gar erst in jüngster Zeit erfüllt und langersehnte Funktionen nachgeliefert werden. Nahm man sich hier auch mit der plötzlichen und totalen Unterstützung für Windows PCs etwas zu viel vor?

Das MacBook Air soll sich an Nutzer richten, die ein schlankes, leichtes, aber dennoch komfortables Notebook wünschen - der Preis gestaltet sich entsprechend. Die wahren Erfolge scheinen aber auszubleiben, muss man doch Glück haben, solch ein "AirBook" überhaupt beim Händler sehen zu können. Ist das Gerät gar zu exklusiv - auch für die Applekundschaft?

Apple war vor einiger Zeit einer der Hersteller, welche FireWire erst populär gemacht hat. Nun wird mit dem aktuellen MacBook seit langer Zeit das erste Gerät ausgeliefert, welches komplett ohne FireWire-Anschluss auskommen muss. Seltsam und amüsant; ist doch ein solcher Port oftmals Mindestvoraussetzung für die Installation einiger Software. FireWire ist zudem immer noch ein viel verwendeter Anschluss bei Festplatten, Kameras oder anderen Geräten aus dem Multimediabereich. Aus welchem Grund mag Apple hier das alte Modell mit FireWire noch im Programm haben und gar mit lukrativen Hardwareupdates pflegen?

Auch beim neuen iPod shuffle der dritten Generation geht Apple radikale Wege und verlegt die Steuerung vom Gerät in die Kabel der Ohrhörer. Neue, innovative Funktionen wie VoiceOver und die Fähigkeit zur Wiedergabe von Playlists bieten laut Hersteller mehr Komfort als der Vorgänger. Aber wieso bietet Apple hier ebenfalls noch das Vorgängermodell als Alternative im Apple Online Store an? Sind es wirklich nur viele Restbestände?

Der Mini DisplayPort ist ein weiteres, gefundenes Fressen für Kritiker. Die Eigenentwicklung von Apple ist eine Abwandlung des "grossen" DisplayPort (welcher standardisiert wurde und von einigen Peripherieherstellern bereits genutzt wird) und soll Platz sparen. Mittlerweile vergibt Apple die Lizenzen für Mini DisplayPort gar kostenlos ab, um die Herstellung von kompatiblen Geräten zu fördern. Ob sich Apple hier etwas zu viel vorgenommen hat und Kunden mit den kostspieligen Adaptern nur gängelt?

Die Pflege der ursprünglich äusserst beliebten und höchstklassigen Cinema Displays war ebenfalls nicht zwingend ein Paradebeispiel von Apple. Über Jahre hinweg blieben die Geräte unverändert, während andere Hersteller fleissig aufholten und das eigene Portfolio mit lukrativen Angeboten fütterten. Aus Cupertino kommt mittlerweile nur noch ein 30"-Modell, welches nicht mehr problemlos ohne teurem Adapter-Wirrwarr mit allen Mac zusammenspielt und ein 24"-LED-Gerät, welches über ein oft verhasstes Glossy-Display verfügt. Sind die Cinema Displays vom Aussterben bedroht?

Womit wir beim nächsten Thema wären. Eingeführt wurde glossy bei Apple Schritt für Schritt in der Intel-Ära. Bei einigen Mac überliess Apple noch stets dem Kunden die Wahl, ob es dieser mit glossy aufnehmen will, oder ein bewährtes, mattes Display wünscht. Weder iMac, MacBook, MacBook Air oder 15" MacBook Pro bieten heute noch diese Option. Einzig und alleine beim neusten 17" MacBook Pro darf der geneigte Nutzer "anti-glare" für einen Aufpreis auswählen. Obschon Apple angibt, Macs mit Glossy-Display in der Vergangenheit besser verkauft zu haben, liess sich der Hersteller hier eventuell weichklopfen, um nicht noch die letzten Pro-User zu verscheuchen?

Der kleinste Mac in der Familie, der Mac mini wird vom Hersteller äusserst stiefmütterlich behandelt. War das letzte Update im März seit gut 1.5 Jahren zwar mehr als überfällig aber doch keine Rieseninnovation. Die Prozessorleistung stieg nur minimal und schlicht der neue Grafikchip bringt dem Kleinsten neue Power. Welches Ziel verfolgt Apple heute noch mit dem mini?

Natürlich möchte keiner dem Unternehmen Apple Inc. den Erfolg nicht gönnen, aber stellt sich das Unternehmen in der letzten Zeit möglicherweise oftmals selber ein Bein? Ist das Produkteangebot schon zu vielfälltig und nicht mehr überschaubar? Sollte sich Apple womöglich auch wieder einmal mehr Gedanken über seine Pro-User, dem ehemaligen Kerngeschäft, machen, die an die Pro-Apps gebunden sind? Könnte Apple diese gar regelmässiger pflegen oder überlässt man das Segment bald Anbietern wie Adobe?


Dieser Bericht ist bewusst mit vielen, kritischen Fragen gespickt und soll keine Antworten liefern. Er beinhaltet nur die persönliche und aktuelle Ansicht des Autors und widerspiegelt einige Gedanken, die Apples aktuelle Produktpolitik aufwirft. Ihre Anregungen und Gedanken können Sie gerne mit anderen Lesern teilen, indem Sie diese in einem Kommentar zu diesem Bericht hinterlassen.
Kommentare (11)
Blade
Sonntag, 22. März 2009 22:19
ich habe in den letzten jahren auch ab und zu das gefühl, dass apples strategie etwas undurchsichtiger geworden ist.

aber hängt das nicht auch mit den veränderten anforderungen der user zusammen?

früher war alles viel einfacher: apple konnte sich auf ein kerngeschäft konzentrieren (die pro-anwender) und dort stark sein.
irgendwann fand man heraus, dass bei den heimanwendern noch ein haufen geld zu holen ist und man führte eine zweite schiene ein.
bis hierhin war die computerindustrie eigentlich diejenige, die entschied, wass die computer können und was nicht. heute verlangen die user viel mehr diversität von einem produkt. diese diversität wird dann über leicht veränderte angebote (verschiedene prozessorgeschwindigkeiten beim selben modell,...) bedient. und genau dieses vorgehen hat zur folge, dass halt nicht mehr alles so übersichtlich ist wie früher!
Blade
Sonntag, 22. März 2009 22:20
zusätzlich stürzt sich apple in viele weiter sparten (iPhone, MobileMe,...).
die aufrechterhaltung und verbesserung dieser sparten kostet ein hohes mass an energie und innovation!
ich wage zu behaupten, apple hat sich da ein wenig überschätzt und traut sich nun nicht, unrentable produkte wie appleTV wieder aus dem sortiment zu nehmen. damals beim cube hat apple diesbezüglich besser reagiert. durch die aufrechterhaltung muss apple aber weiterhin innovative neuerungen bei diesen produkten vorantreiben, was sich negativ auf das restliche sortiment auswirken könnte.
Blade
Sonntag, 22. März 2009 22:20
zusätzlich habe ich das gefühl, apple wird ein wenig arrogant in den letzten jahren. wenn die kunden nunmal einen bildschirm ohne glossy wollen, dann sollte man dies auch als option anbieten... sowas ist viel wichtiger als die option, ob man nun eine 320GB oder eine 500GB festplatte verbaut haben möchte. das selbe gilt für firewire! das ist immernoch die haltung aus dem vorigen jahrhundert: wir bieten so an, wie wir wollen und ihr habt das dann so zu akzeptieren.
Blade
Sonntag, 22. März 2009 22:20
auch negativ finde ich die geizigkeit, die apple in den letzten jahren pflegt.
vor 2 jahren gabs noch zu jedem mac eine fernbedienung dazu, die man heute zusätzlich kaufen muss!
früher gabs zu jedem lap-top auch noch einen monitoradapter dazu, den man nun für teures geld zusätzlich kaufen muss.

ich jedenfalls hoffe, dass apple lernt, aus den eignen fehlern zu lernen und in zukunft mehr auf die wünsche der kunden hört.
Blade
Sonntag, 22. März 2009 22:21
...und man sollte längere beiträge schreiben dürfen im forum :-)
MacBit
Montag, 23. März 2009 09:19
Das MacBook 13" weiss (mit FW 400 (das im letzten Januar aktualisiert wurde)) hätte ich noch gerne.

Ich hoffe sehr, dass Apple dieses MacBook 13" noch länger im Sortiment behält;
mind. so lange, bis ich das dafür nötige Kleingeld zusammen gespart habe, um es zu kaufen.

Edgar
emanuel
Montag, 23. März 2009 18:30
"vor 2 jahren gabs noch zu jedem mac eine fernbedienung dazu, die man heute zusätzlich kaufen muss!"

Allzu böse darf man hier aber meiner Meinung nach nicht sein. Viele verwenden das Ding schlicht nicht. Allerdings ist der Preis von CHF 29.- schon sehr saftig. Marge bei 80-85%? Das Teuerste: die Batterie?
Blade
Montag, 23. März 2009 20:40
bei meiner kritik gehts mir mehr um die grundeinstellung, nicht um die fernbedienung selbst...
tom
Dienstag, 24. März 2009 14:52
Was mich mittlerweile "gallig" macht: Windows XP ist mehr oder weniger zur gleichen Zeit erschienen wie OSX. Mein Bruder kann auf seinem 6 Jahre alten XP-PC das neueste iTunes und die neuen iPods / iPhones nutzen. Ich bring auf meinem 5 Jahre alten iBook kaum mehr OSX.4 drauf geschweige denn das aktuelle OS und iTunes. Apple unterstützt die Konkurrenz besser als sich selber.....
Blade
Dienstag, 24. März 2009 18:14
die schlechte abwärtskompatibilität hat dafür den vorteil, dass das system stabiler und schlanker ist.
emanuel
Dienstag, 24. März 2009 19:59
Darüber hinaus wären die Leistungsdaten des PCs interessant. Ein iBook G4 müsste aber doch genug Leistung für Tiger haben.
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Apple stellt Safari Extensions Gallery vor
Mit Safari 5 ist es neu möglich, Extensions zu installieren und somit den Webbrowser um diverse Funktionen zu erweitern. Erste Erweiterungen gab es kurz nach der Veröffentlichung an diversen Stellen im Internet. Apple stellt jedoch ab sofort die offizielle Safari Extensions Gallery online bereit. Alle Nutzer von Safari 5 finden dort Erweiterungen zu Social Networks, Such- und RSS-Diensten oder diverse Toolbars. Selbst Microsoft ist bereits mit einer Extension in der noch übersichtlichen Auswahl vertreten. Die Extensions sind kostenlos. Vorausgesetzt wird Safari 5.0.1, welcher ab sofort über die Softwareaktualisierung bezogen werden kann.
 
Trackpad-Update für ältere MacBooks
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